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Herbert Drittenpreis

1937 - 2008

Fragmente

Es klopft. Draussen, kurzbeinig barfuss, Bauch unterm T-shirt mit dem Aufdruck " hier bin ich!" in Badehose, steht Herbert Drittenpreis. Der Kopf in einem Sturzhelm mit zwei wippenden Antennen, Käferfühlern gleich. " … ich wollte mich mal erkundigen, wie es dem Fotografen so geht, der früher hier seinen Laden hatte…", Hinter ihm steht mit hängender Lippe schwer atmend eine dicke Frau, mindestens zwanzig Jahre jünger als er, auch mit Sturzhelm und im Badeanzug. Ich sage ihm, das wäre jetzt mein Atelier. Ich bin erstaunt und neugierig über diese lustige Erscheinung und bitte die Beiden, wenn sie wollen, rein.

Herbert Drittenpreis stellt mir seine Freundin vor, seine Claudia, seine allerbeste Claudia. Claudia sagt nichts, sie nickt zu alllem was er sagt, oder nickt nicht sondern starrt. Bleibt ihr auch nichts andres übrig, denn Herbert D. schweigt nur noch zum Luft holen.
Seine Frau trat den Zeugen Jehovas bei, war der Bibel treu und die Sache habe sich zugespitzt, als seine Frau nur noch auf allen vieren kroch, sich geiselte und tag ein tag aus betete, da habe er nicht anders gekonnt: " Da hab ich Erika entlassen müssen".
Er erzählt, dass er Sohn des Erfinders Drittenpreis aus Dachau sei, der habe viel erfunden u.a. den fliegenden Werkzeugwechsel. Er habe eine Werkstatt auf dem Land und sei u.a. der Erfinder des Schaukelstuhls, auf dem man sich wie in eine Raumschiff vollkommmen schwerelos fühle… damit habe er Erfolg gehabt, das Hauptproblem sei die Maschine zur Herstellung des Schaukelstuhls aus Styropor gewesen, dennoch habe er es geschafft und wurde mit Kaufempfehlung erfolgreich von D-Markt getestet. Er habe den Schaukelstuhl deutschland-weit verkauft, und als extra Dreingabe gab es zum Gleichgewicht halten bei Gewichtsverlagerung ein Seehundbärli mit Kieselsteinfüllung obendrauf.

Jahrelang hat er am Nachbau eines Raumschiffes gebastelt, das habe er auch verkauft, da war er besonders stolz drauf. Am Bau eines Düsenjets mit zwei Waschmaschinentrommeln, den er dann auf die Landstraße setzte, was die hinzu gekommene Polizei: "... was machen Sie denn da?" "... ich bin gerade gelandet aber ich habe die Landebahn verfehlt, können Sie mir sagen, wo der Flughafen ist..." beendet hat, als er gerade dabei war wieder zu starten, die Trommeln seitlich auf seinem Auto aufmontiert, welches dann zu weit über die Strassenmitte hinausragte... und erzählt, er wisse wie man den schiefen Turm von Pisa wieder aufrichten könne, das wäre ganz simpel, aber das verrate er nicht, ebenso das Geheimnis ewigen Lebens, weil ewig zu leben, da sei Gott vor, und mit dem habe er ohnehin noch einige Rechnugen zu begleichen.

Drittenpreis nannte mich nie beim Namen, ich denke, er wußte über die ganzen zwei Jahre, in denen er mich oft besuchte nicht wie ich heiße. Ich war für ihn der nette Spinner, im Atelier oben in der Altstadt Dachaus, der Nachfolger vom Fotografen.

ff

Sein Haus in der Brunngartenstrasse am Fuße des Schloßbergs, stach von den anderen Häusern ab. Auf die ockerfarbene Fassade war ein Indianerhäuptling auf einem Pferd, in der Hand eine Lanze mit wehender Feder gemalt. Vor dem Eingang ein Spalier aus Stangen mit übereinander gesteckten Getränkedosen. Eine Lock, mit Anhänger stand da, ein Motor auf einem Bock. War man durch das Spalier hindurch stand man vor einem Stapel Altmetall, überall, Altmetall. Ging man hinter das Haus, und suchte den Garten, fand man tonnenweise Altmetall, Altmetall gestapelt bis in den kleinsten Winkel.
Seine Erben - er verstand sich einzig mit Simon, seine Enkelkinder hatten zu ihm Kontaktverbot - wollte er es nicht leicht machen, so stopfte er auch das ganze Haus von oben bis unten voll mit Schrott. Überall in seinem Haus, auf den Stiegen auf den Tischen im Bad und auf dem Klo, war alles vollgestellt mit Altmetall. " Meine Kinder sollen es schwer haben, wenn sie mich beerben. Ich stopfe das Haus so voll, dass es in den Erdboden sinkt "
Sein Bub der Simmerl schwer an der Leber krank, durfte nur Stutenmilch trinken. Herbert Drittenpreis tat alles um seinen Sohn zu gesunden. Dazu hält er mehrere Ponys. Er versorgt, den Simon jeden Morgen mit der Milch. Aber der Simmerl ist ihm weggestorben.

Fasching nach dem Krieg, da war plötzlich Hitler da.
Wettschießen in Dachau. Der Vater gewinnt. Als er zwischen einem Hitlerbild das in der Mitte hängt und mehren anderen auswählen darf, sagt er "des da", und deutet auf die Wand. Die Schergen wollen das Hitlerbild abhängen, da sagt der Vater, " na na, i moan des kloane Buidl vom Huabamala (Huber-maler)." "Aouu... da war mit einem Male Ruhe im Saal... da hättest du eine Laus husten hören können."